Zugänge

Wenn wir Zugang zu Menschen und Gruppen bekommen wollen, gibt es vorbereitende und ausführende Schritte. Wir bereiten uns vor, in dem wir eine Geh-Kultur entwickeln und Gruppen entdecken.

Eine Geh-Kultur entwickeln

Geht nun! Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
Lukas 10,3

Jesus ermutigt uns dahin zu gehen, wo das reale weltliche Leben herrscht. Es geht nicht um großartige Veranstaltungen in einem geschützten Rahmen innerhalb unserer Gemeinden, sondern darum, bei den Menschen zu sein.

imageWo sind Menschen? Zum größten Teil leben wir Menschen unsere Beziehungen in der eigenen Familie (bzw. mit unserem Partner) oder bei Arbeit/Schule/Studium. Für die restlichen Beziehungen haben wir weniger Zeit. Sie beschränken sich beispielsweise auf Vereine, in denen wir uns engagieren, oder auf Wochenend-Aktionen mit Freunden. Unser Ziel muss es also sein, Menschen bei der Arbeit, in ihren Familien, in Vereinen, Interessengruppen und Freundeskreisen zu erreichen. Hier muss man zwischen apostolischen und natürlichen Beziehungen unterscheiden. Apostolische Beziehungen sind gezielt aufgebaute Beziehungen, um das Evangelium weiterzugeben. Natürliche Beziehungen sind schon vorhanden (Familie, Arbeitskollegen, usw.) und können bei zu viel evangelistischem Tatendrang in die Brüche gehen und das nicht unbedingt wegen des Evangeliums.

Jetzt heißt es, kreativ zu werden. Zuerst müssen wir wissen, welche Vereine, Arbeitgeber, Gruppen usw. es überhaupt gibt. Am besten mit einer detaillierten Analyse (siehe Anhang „Analyse“). Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollten gesammelt werden, um eine regionale Übersicht zu bekommen.

Dann gilt es, sich seiner Persönlichkeit bzw. seinen Interessen entsprechend einzubringen. Nicht jeder ist im Schützenverein oder der Feuerwehr oder dem Fußballverein richtig. Man kann nur dann aktiv in einer Gruppe mitmachen, wenn man ein aufrichtiges Interesse am Ziel der Gruppe hat.

Das gleiche gilt für das Erreichen von Menschen an ihren Arbeitsplätzen. Wir werden nicht monatlich unseren Job wechseln können, nur um möglichst viele Personen dort zu erreichen - aber vielleicht hast du die Möglichkeit etwas anzufangen, bei dem du regelmäßig mit neuen Menschen in Kontakt kommst. Manche von uns haben da z.B. mit einer Teilselbstständigkeit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Da keiner alle Gruppen allein erreichen kann, müssen wir parallel dazu beginnen, für die bestehenden Gruppen zu beten. Gott weiß am besten, wer wo gebraucht wird.

Gruppen

Wenn ihr ein Haus betretet, sagt als Erstes: ›Friede sei mit diesem Haus! ‹ Wenn dort jemand bereit ist, den Frieden zu empfangen, den ihr bringt, wird der Frieden auf ihm bleiben; wenn aber nicht, wird der Frieden zu euch zurückkehren. Bleibt in dem Haus, in dem man euch aufnimmt. Esst und trinkt, was man euch dort gibt; denn wer arbeitet, hat Anrecht auf seinen Lohn. Geht nicht von Haus zu Haus, um eine andere Unterkunft zu suchen.
Lukas 10,5-7

Jesus spricht davon, zu ganzen Häusern zu gehen, nicht zu Einzelpersonen. Und zwar zu vorbereiteten Häusern, Gruppen oder Gemeinschaften. Dort, wo du hingehst, gibt es Menschen, die von Gott schon von langer Hand vorbereitet wurden und darauf warten, dass du ihnen das Evangelium bringst.

Wie sich Menschen in diesen Gruppen sammeln und organisieren, unterscheidet sich je nach ihrem Umfeld. Manchmal sammeln sie sich unter dem Gesichtspunkt der Rasse oder Nationalität. Anderswo sind es soziologische Kriterien, nach denen sie sich zusammenfinden: Jugendliche (Cliquen, Gangs), Senioren, etc. Sie können sich auch aufgrund von Neigungen oder Interessen organisieren. Auch Familien sind selbstverständlich solche Gruppen.

Manchmal überschneiden sich Gruppen. Oft ist es so, dass Menschen quer durch mehrere Gruppen leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Es gibt keine festen Regeln, was diese Gruppen betrifft; man muss viel Zeit darauf verwenden, um Menschen in einem bestimmten Lebensraum zu beobachten und dann zu erkennen, wie sie sich zusammenfinden. Schließlich erkennt man die Muster und identifiziert die Gruppen.

Beim Pflanzen des Evangeliums konzentriert sich der externe Leiter darauf, das Evangelium in jede Gruppe eines bestimmten Lebensraumes einzupflanzen. Anstatt sich auf Techniken der persönlichen Evangelisation zu spezialisieren, zielt ein Evangeliumspflanzer auf ganze Familien oder Interessengruppen innerhalb eines Lebensraumes, Bevölkerungsteils oder Wohnviertels. Er möchte sie in einen Prozess des Entdeckerbibelstudiums hineinführen, der es ihnen ermöglicht, Gott dadurch zu entdecken, dass sie die Bibel lesen. So folgt er dem Muster der Apostelgeschichte, denn dort ist die Evangelisation von Familien oder Hausgemeinschaften die Norm und persönliche Evangelisation die Ausnahme.

Der Prozess des Entdeckerbibelstudiums fördert die Entwicklung von Evangelisation, Gehorsam, Dienst und Leiterschaft. In der Folge haben wir Gruppen, die sich vervielfältigen. Der externe Leiter fördert und leitet den Entdecker-Prozess, ist ein Vorbild als Leiter, fördert die internen Leiter der Gruppe und ermutigt zu Gehorsam, Dienst und Evangelisation.

Wenn solche Gruppen zur selben Feststellung kommen wie Petrus („Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Mt 16,16) und getauft werden wie der Haushalt des Kornelius (Apg 10,47-48), dann fahren sie fort, sich innerhalb ihres Lebensumfeldes zu treffen. Die Taufe signalisiert: Dies ist eine Gemeinschaft von gehorsamen Jüngern. Anders gesagt, sie wurden zu Gemeinden.

Während sie in der Erkenntnis und dem Gehorsam gegenüber Gottes Wort wachsen, werden sich diese Gemeinden in ihrem Lebensumfeld vervielfältigen. Neue Entdeckerbibelstudiengruppen werden begonnen und neue Bevölkerungskreise erreicht.

Es braucht Zeit, Gruppen zu identifizieren und ihre Eigenheiten und Abgrenzungen zu verstehen. Manche kann man praktisch sofort erkennen, bei anderen braucht man mehr Zeit. Es ist nicht nötig, alle Gruppen eines Gebietes erst zu kennen, bevor du damit beginnst, das Evangelium einzupflanzen. Gruppen zu identifizieren und zu „kartografieren“ ist etwas, das man die ganze Zeit tut, während man arbeitet.

Es kann eine ganze Weile dauern, das Evangelium in eine erste Gruppe einzupflanzen. Es braucht Zeit, herauszufinden, wie Gruppen funktionieren. Es braucht Zeit, ein Team aufzubauen und zu trainieren, wie man die Sache anpackt. Lass dich dabei nicht entmutigen! Wichtig ist, im Prozess zu bleiben und dabei zu lernen. Nach den beiden vorbereitenden Schritten geht es um die ausführenden Schritte, um Zugänge zu bekommen. Und zwar so, dass wir Nöten begegnen und geistliche Impulse streuen („Eier legen“).

Nöten begegnen

Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, dann esst, was man euch anbietet. Heilt die Kranken, die dort sind, und verkündet den Bewohnern der Stadt: ›Das Reich Gottes ist zu euch gekommen. ‹ Wenn ihr aber in eine Stadt kommt und man euch nicht aufnimmt, dann geht durch ihre Straßen und ruft: ›Selbst den Staub, der sich in eurer Stadt an unsere Füße geheftet hat, wischen wir ab, damit ihr gewarnt seid. Aber das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist gekommen. ‹
Lukas 10,8-11

Wo kannst du in deiner Umgebung Menschen helfen, die in einer Not stecken? Achte auf Nöte, denen du mit deinem Partner selbst begegnen kannst. Gehe nicht auf Nöte ein, die dich vollkommen überfordern oder zu einer schweren Last werden können. Bei solchen Nöten solltest du am besten an Ort und Stelle für die Menschen beten, damit sie Gottes Wirken persönlich erleben.

Wenn keine Beziehungen vorhanden sind, bieten sich Projekte an, die Beziehungen stiften und gleichzeitig Gutes bewirken. Viele evangelistische bzw. vor-evangelistische Aktionen werden von bestehenden Gemeinden ausgerichtet, um andere in die Räumlichkeiten bzw. den Dunstkreis der Gemeinde zu locken. Im Rahmen von Gemeindegründungsbewegungen (GGB) muss auf solche Aktionen nicht ganz verzichtet werden, aber die Ausrichtung sollte eine andere sein. Es geht bei diesen Projekten nicht um die Gemeinde, sondern um die Menschen. Während man nun ein Projekt mit Menschen aus dem Ort für die Menschen aus dem Ort durchführt, passieren mehrere Dinge:

Die Mithelfer / Mitarbeiter lernen, sich für andere einzusetzen. Gute Werte werden vermittelt und die Augen für den Nächsten geöffnet.

Wer zusammen arbeitet und sich engagiert, lernt sich kennen. Die Mithelfer / Mitarbeiter lernen dich kennen und werden automatisch auch etwas von deiner Beziehung zu Jesus kennenlernen. Dabei gilt es, gezielt geistliche Impulse zu setzen, sodass die anderen die Möglichkeit haben, dich als geistlichen Menschen einzuordnen.

Die Teilnehmer an dem Projekt erleben, dass ihnen andere Gutes tun - was im Allgemeinen eher selten vorkommt.

Geistliche Impulse streuen & gezieltes Gebet für andere

Um eine Person des Friedens (PdF) zu finden, müssen wir geistliche Impulse streuen, an denen die PdF erkennt, dass wir ein geistliches Anliegen haben. Das können kleine Sätze sein, in denen du deine Dankbarkeit Gott gegenüber ausdrückst; das können Dinge sein, die du in deiner persönlichen „Stillen Zeit“ über Gott gelernt hast und die dich begeistern oder das kann deine Liebe für andere Menschen sein, die du in Worte fasst.

Eine andere Möglichkeit ist, gezielt Gebet anzubieten. Menschen haben Nöte, denen Gott begegnen kann. Versuche im Gespräch herauszufinden, was ihre größten Nöte sind und biete an, dafür zu beten. Dadurch zeigst du dein Interesse am anderen, zeigst, dass du ein geistliches Anliegen hast, erkennst, ob der andere geistlich offen ist und gibst Gott die Möglichkeit, seine Größe zu zeigen.

Wir müssen auf Menschen gezielt zugehen, gezielt Nöten begegnen und gezielt geistliche Impulse streuen, um eine Person des Friedens zu finden. Was eine PdF ist und welche Merkmale sie hat, beschreiben wir im nächsten Kapitel.